Perspektiven – Wenn Wände sich mit Architektur bekleiden

18. Juli 2020 – 14. März 2021

Auf den ersten Blick scheinen Architektur und Tapeten nicht viel miteinander zu tun zu haben. Und dennoch besteht zwischen beiden Disziplinen eine enge Verbindung: die eine ist die Kunst des Bauens, die andere die Kunst der Wandverkleidung. Mit über 160 Ausstellungsstücken, wovon etwa 60 erstmals zu sehen sind, setzt die Ausstellung den Reichtum und die Vielfalt der Verbindungen von Tapete und Architektur in Szene.

Als Königin der Künste beeinflusst die Architektur die dekorativen Künste sehr stark, vor allem die Gestaltung von Tapeten, welche architektonische Formen und Ornamente auf den Innenraum herunterbrechen. Verschiedene Elemente aus der Architektur werden imitiert oder in tapetentypischen Kompositionen neu interpretiert, manchmal deutlich abstrahiert. Einige Motive spielen auch mit dem Begriff der Verschönerung: Zeichner und Designer bringen seit ein paar Jahrzehnten Motive auf den Markt, die wie verfallene Mauern aussehen. Eine derart originelle Innenraumgestaltung ist nur möglich, weil das Austauschen von Tapeten so einfach ist.

Auch Baudenkmäler finden Eingang in dieses Kunstgewerbe, indem sie als klassisches Thema im Mittelpunkt einer Komposition stehen und eine vielfältige Symbolik transportieren, beispielsweise den Patriotismus. Wird ein Gebäude im Hintergrund einer Szene platziert, so dient es dazu, den Rahmen einer Erzählung abzustecken und hilft dem Betrachter, die Szenerie richtig einzuordnen.

Die Tapete erregt auch das Interesse zahlreicher namhafter Architekten. Sie wählen oder erschaffen selbst Motive für einige ihrer Bauwerke   und   finden   so   zu   einer   ganzheitlichen   Betrachtung  der Wohnfrage und der Inneneinrichtung.  Die Zusammenarbeit mit Tapetenmanufakturen eröffnet ihnen die Möglichkeit, gesellschaftliche und wirtschaftliche Probleme ihrer Zeit anzugehen.

Mittels optischer Täuschung kann die Tapete auch mit dem Innenraum interagieren. Abstrakten geometrischen Mustern gelingt es, unsere Wahrnehmung des tapezierten Raums zu stören, indem sie Reliefeffekte oder Vibrationen vortäuschen. Die Auswahl an optischen Effekten ist im aktuellen Tapetenangebot besonders vielfältig, wobei großformatige Digitaldrucke die Sinnestäuschung noch deutlich verstärken.

Kuratorin : Maëlys Fernandes, chargée de mission à la conservation